Baby und Kleinkind – 10 Tipps für mehr Nachhaltigkeit und weniger Müll

Nachhaltig leben mit Baby und Kleinkind - Zero Waste-Tipps

Ein Leben mit Baby und kleinen Kindern ist aufregend und wunderschön. Allerdings sind Quetschies, Windeln und Co. nicht gerade eine ökologische Glanzleistung, oder? Meine Zero Waste-Tipps helfen euch im Alltag mit Kind nachhaltig zu leben und Plastik zu sparen.

Damit nur schöne Erinnerungen bleiben und kein unnötiger Müll.

Und ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe zwei Kinder und unzählige Windeln und Feuchttücher benutzt. Ja, jetzt ist es raus. Anfangs, als unsere Kinder ganz klein waren, kam ich bei manchen Dingen überhaupt nicht auf die Idee es anders zu machen als mein Umfeld. Warum auch? Da gibt es doch diese bequemen und unglaublich praktischen Produkte in den Läden, die einem den Alltag mit Kind leichter machen, oder? Damals war ich einfach noch nicht soweit, konsequent umzudenken und die Dinge bewusst zu verändern. Heute ist das anders.

Heute weiß ich wie einfach Nachhaltigkeit und Zero Waste ist. Auch mit Baby und Kleinkind.

Es ist weder kompliziert noch anstrengend all den unnötigen Müll zu vermeiden. Man muss nur wissen wie. Und ich hoffe, dass ihr es mit meinen Zero Waste- und Nachhaltigkeits-Tipps besser macht. Von Anfang an…

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Zero Waste und Nachhaltigkeit mit Baby und Kleinkind: Waschen

#1 Waschen

Viele waschen zu heiß und benutzen aus lauter Angst vor Keimen und Infekten umweltschädliche Waschmittel, Hygienespüler und Co.. Vor allem sobald ein Baby im Haus ist.

Nachhaltiger sind niedrigere Temperaturen, ökologische Waschmittel und eine regelmäßige Maschinenhygiene.

Oft sitzen die Bakterien nämlich in der Maschine und weniger in unseren Textilien. Jede fünfte Wäsche bzw. spätestens alle zwei Wochen solltet ihr eure Maschine bei 60°C-Waschgang laufen lassen, das beugt der Entstehung von Biofilmen und Bakterien vor. Außerdem zwischen den Waschgänge die Maschinentüre zum Trocknen auflassen und Waschmittelschublade, Flusensieb und Gummidichtung regelmäßig gründlich reinigen. Und für die meisten Textilien reichen 30 bis 40°C völlig aus um gute Sauberkeit zu erzielen.

Tipp: 1 bis 2 EL Soda im Waschmittelfach helfen die Maschine und die Wäsche sauber und hygienisch zu halten. Entweder als Reinigungsdurchlauf ohne Wäsche, oder zusätzlich zum Waschmittel beim Waschen.

#2 Windeln

Ein Baby braucht durchschnittlich 5000 Wegwerfwindeln bzw. 1,5 Tonnen Windelmüll.

Eine Wegwerfwindel braucht 500 Jahre um zu verrotten.

Verrückt oder? Wegwerfwindeln wirken auf den ersten Blick wie DIE perfekte Lösung. Naja, wenn da eben dieser riesige Müllberg aus Kunststoff und Verbundmaterialien nicht wäre.

Nachhaltiger geht es mit Stoffwindeln in Bio-Qualität.

Am besten von Anfang an, dann relativiert sich die hohe Erstinvestition nämlich vergleichsweise schnell. Wer es kostengünstiger braucht, dem seien gebrauchte Stoffwindeln wärmstens ans Herz gelegt. Mittlerweile gibt es auch hierfür einen guten Secondhand-Markt mit schicken Modellen zu kleinem Preis.

Tipp: Beim Waschen sorgen ökologische Waschmittel, Temperaturen von max. 60°C und Trocknung auf der Wäscheleine für eine bessere Ökobilanz bei Wasserverbrauch, Abwasser und Energieverbrauch.

Für euch sind Stoffwindeln unvorstellbar? Oder ihr seid schon fast durch mit der Windelzeit eurer Kinder und wollt nicht auf ein komplett neues System umschwenken? Dann schaut euch doch mal das Sortiment an Öko-Windeln genauer an. Diese Wegwerfwindeln landen zwar immer noch im Restmüll, sie haben aber einem höheren Anteil an biologisch abbaubaren Bestandteilen und enthalten deutlich mehr nachwachsenden Rohstoffe (z.B. pflanzliche Kunststoffe). Mehr Info zu Windeln gibt es hier.

Und apropos Wickeln: Einmal-Wickelunterlagen zum Wegwerfen ersetzt ihr am besten durch ein oder zwei dicke, doppelt gelegt Handtücher.

Zero Waste und Nachhaltigkeit mit Baby und Kleinkind: DIY-Feuchttücher

#3 Feuchttücher

Noch so eine Müllschleuder! Und noch eine, die sich sehr leicht abschaffen lässt. Warum? Der überwiegende Teil der Feuchttücher aus dem Handel besteht aus Kunststofffasern. Das macht sie besonders reißfest und strapazierbar. Am Ende bleibt ein Berg an Plastik, den eigentlich niemand wirklich gebraucht hätte.

Nachhaltiger geht’s mit DIY-Feuchttüchern.

Nehmt euch ein altes T-Shirt oder ein anderes aussortiertes Kleidungsstück aus weichem Baumwollstoff und schneidet es in kleine Waschläppchen ca. 15 x 15 cm.

  • Für Zuhause stellt ihr euch einfach eine kleine Schüssel lauwarmes Wasser an den Wickeltisch. Waschläppchen eintunken, ausdrücken und Popo wischen. Bei hartnäckigen Fällen helfen ein paar zusätzliche Tropfen Olivenöl.
  • Für unterwegs könnt ihr die Tücher entweder mit kochendem Wasser übergießen oder eine Mischung von abgekochtem Wasser und Öl verwenden (1 TL Öl auf 200 ml Wasser). Hier eignet sich vor allem Olivenöl und Kokosöl (Bio). Die Waschläppchen gut mit der Flüssigkeit durchtränken, ausdrücken und die fertigen DIY-Feuchttücher in einem sauberen und fest verschließbaren Einmachglas transportieren. Sie sind ungefähr 2 Tage haltbar. Danach einfach waschen und neu ansetzen.

Tipp: Zu eklig? Ihr könnt auch zu Anfang das „Gröbste“ mit ein wenig (Recycling)Klopapier entfernen und erst danach die DIY-Feuchttücher benutzen. Benutzte DIY-Feuchttücher werden in einem Wäschenetz gesammelt und einfach zusammen mit Stoffwindeln oder Handtüchern bei 60°C waschen.

Zero Waste und Nachhaltigkeit mit kleinen Kindern: Pflege

#4 Pflege

Bei der Pflege zarter Babyhaut neigen wir leider oft dazu zu viel zu benutzen. Zu viel Cremes, Puder, Lotions und Waschlotionen und Babyshampoos. Die gute Nachricht? Ihr braucht so gut wie NICHTS davon.

Nachhaltige und gesunde Babypflege ist Wasser, Muttermilch und ein gutes pflanzliches Öl.

Keine Sorge. Wenn ihr nicht stillt ist das natürlich auch kein Problem! (Wenig) Olivenöl und lauwarmes Wasser sind perfekt. Und bei Hautnotfällen wie rauen Stellen oder leichten Rötungen (z.B. im Windelbereich) benutzen wir bis heute eine reine Lanolincreme, die wahre Wunder wirkt. Damit seid ihr schon fast für alles gerüstet und spart jede Menge Verpackungsplastik und Chemie. Ihr habt schon Pflegeprodukte mit schlechten Inhaltsstoffen zu Hause? So könnt ihr Mikroplastik-Kosmetik am besten loswerden.

Tipp: Die Wahl einer gesunden Sonnencreme ist nicht so einfach. Hier findet ihr meine schnelle Checkliste für Sonnenschutz ohne Mikroplastik und Nanopartikel.

#5 Essen und Trinken

Zuerst einmal mein wichtigster Tipp an euch: Entspannt euch ihr Lieben, und lasst euch nicht verrückt machen von Stillempfehlungen, Stillzeiten und Beikostplänen für euer Baby. Ihr macht das total gut und seid wundervolle Eltern. Ich will euch auch gar nicht viel traktieren mit stillen und selber kochen. Warum? Weil ich aus eigener Erfahrung weiß wie übermüdet man oft ist, und wie überglücklich über das reichhaltige Angebot an fertigen Gläschen to go. Nur eins:

Wählt wenn möglich gute Bio-Qualität und regional.

Vermeidet Nestlé-Produkte wie BEBA und macht einen Bogen um einzeln verpackte Snackportionen wie Müsliriegel und Quetschies. Am Ende ist der Plastikberg nämlich größer als der Inhalt.

Tipp: Leckere Müsliriegel mit weniger Zucker sind schnell und einfach selber gemacht. Und statt Wegwerf-Quetschies lieber Apfelmark im Glas kaufen und in Portionen mit Löffel mitnehmen. Das ist viel kostengünstiger und spart Plastikmüll.

#6 Unterwegs

Kinder haben immer Hunger. Vor allem unterwegs, und da hinterlassen wir dann Verpackungsmüll, Eisbecher, Bäckertüten, Quetschies, leere Plastikflaschen und und und.

Nachhaltiger sind wiederverwendbare Mehrwegflaschen,Brotzeitdose, Stoffsäckchen und Einmachgläser.

Wenn möglich aus ökologischen und langlebigen Materialien wie Edelstahl, Glas oder Altkleidern (Upcycling-Stoffsäckchen). So haben eure Kleinen auch in Kita und Kindergarten lange Freude an ihren Sachen.

Tipp: Bei Flaschen und Brotzeitdosen lieber ein zeitloses Design wählen, das nicht so schnell wieder out ist. Noch mehr Ideen für plastikfrei to go findet ihr bei meinen Tipps für Zero Waste unterwegs.

#7 Kleidung

Bei Baby- und Kinderkleidung lässt sich mit 3 einfachen Grundregeln sehr viel fairändern.

Weniger ist mehr – Gebraucht kaufen – Fair kaufen

Wie auch schon bei der Pflege, braucht unser Nachwuchs sehr viel weniger als wir am Anfang vielleicht denken. Und den überwiegenden Teil davon gibt es in Top-Zustand gebraucht zu kaufen. Auch Leih- und Tauschgemeinschaften mit Freunden, Verwandten, Nachbarn und Bekannten machen bei Kindern richtig Sinn, denn die wachsen oft in rasendem Tempo aus ihren Sachen. Das wenige, das dann noch übrig bleibt, muss neu gekauft werden. Wenn möglich fair und in guter Bio-Qualität (tolle nachhaltige Winterkleidung und faire Kinder-Bademode).

Tipp: Fair und öko ist gesünder für euer Baby, besser für die Umwelt und es ermöglicht den ArbeiterInnen in der Textilindustrie ein Leben ohne Existenzkampf.

Zero Waste und Nachhaltigkeit mit Kind: Spielen

#8 Spielzeug

Beim Spielzeug ist weniger mehr, denn auch das größte Kinderzimmer platzt einmal aus allen Nähten.

Viel wertvoller als Zeug sind gemeinsame Erfahrungen mit den Elementen und mit der Natur.

Geht raus mit euren Kindern und entdeckt die Welt. Blätter, die unter den Füßen rascheln, Blumen, die duften und kühles Wasser an den kleinen Zehen. Wer braucht da noch Spielzeug?

Tipp: Beim Einkaufen kauft gebraucht, leiht, tauscht und kauft fair. Und nachhaltige Schwimmhilfen und Sommer-Spielsachen hab ich hier für euch gesammelt.

Zero Waste und Nachhaltigkeit mit Kind: Geschenke

#9 Geschenke

Unser Credo: Gebrauchtes schenken ist gelebte Nachhaltigkeit. Man muss nur das Tabu brechen, dass Geschenke immer neu sein müssen.

Nachhaltig durch Wertschätzung von dem, was schon da ist.

Wir stöbern begeistert auf Flohmärkten und durchforsten die Kleinanzeigen. Gerade für Kleidung und Spielzeug ist der Secondhand-Bereich ein Schlaraffenland. Und ich wette mit euch, dass sich eure Kinder nicht weniger über die neue Puppe, das Hüpfpferd oder die Holzklötzchen freuen werden, nur weil sie bereits in einem anderen Kinderzimmer ein Gastspiel hatten.

Tipp: Bei Neuem auf gute Qualität und entsprechende Siegel achten. Für Holz ist das zum Beispiel das FSC-Siegel. Und wenn möglich Plastik reduzieren oder vermeiden.

#10 Zero Waste für Mamas

Natürlich sind wir Mamas mehr als das Thema Stillen und Monatshygiene. Wir schmeißen den Laden und halten alles zusammen. Allerdings ist es nun mal Tatsache, dass wir eben bei diesen beiden Punkten Unmengen an Plastik einsparen können. Ganz unkompliziert und einfach.

Mehr Nachhaltigkeit und Zero Waste mit wiederverwendbaren Stilleinlagen, Slipeinlagen und Menstruationstasse.

Und letzteres funktioniert sogar ohne Baby oder Kleinkind. Zero Waste Monatshygiene mit wasch- und wiederverwendbaren Utensilien klappt im Alltag, im Urlaub, unterwegs oder Zuhause. Ich persönlich möchte jedenfalls bitte nie mehr einen Tampon benutzen müssen…

Viel Spaß beim Ausprobieren und Fairändern…

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Pinterest-Pin: 10 Tipps für mehr Zero Waste und Nachhaltigkeit im Alltag mit Baby und Kleinkind


2 Kommentare bei „Baby und Kleinkind – 10 Tipps für mehr Nachhaltigkeit und weniger Müll“

  1. Hey Alex, danke für deinen Beitrag. Die Raupe auf dem Bild sieht ja mal richtig süß aus! Wir nutzen jetzt auch Stoffwindeln, finde das ganze gar nicht so kompliziert wie man immer hört. Und wir haben halt nicht den ganzen Müll.

    Viele Grüße
    Sandra

    1. Alexandra Achenbach sagt: Antworten

      Liebe Sandra,
      Ich würde heute auch auf jeden Fall Stoffwindeln wählen. Damals hat mich das tatsächlich abgeschreckt. Irgendwie war eh schon alles zu viel. Dann noch Windeln waschen? Mittlerweile hab ich dazu gelernt und wurde vom Gegenteil überzeugt.
      Schön, dass ihr es bei euch gleich besser macht ;-).
      Alles Liebe
      Alex

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