Kleidung – Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank

Nachhaltige Kleidung: Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank

Kann Mode überhaupt nachhaltig sein? Bei all den Hiobsbotschaften, was unsere Kleidung anbelangt, klingt echte Nachhaltigkeit im Kleiderschrank nicht gerade wie ein Kinderspiel, oder? Unsere Kleider, Hosen, Shirts und Jacken produzieren bei ihrer Herstellung rund ein Fünftel der Abwässer weltweit und verursachen mehr Emissionen als alle internationalen Flüge und Schifffahrten zusammen*. Habt ihr das gewusst? Damit ist die Textilbranche eine der dreckigsten Industrien überhaupt, und noch dazu eine mit oft katastrophalen Arbeitsbedingungen. Und dennoch wächst unser Kleidungs-Konsum Tag für Tag, und Jahr für Jahr.

Einige (traurige) Fakten zu unserer Kleidung*:

  • 6 kg Chemie kommt auf die Herstellung von 1 kg Textilien
  • 11 % aller Pestizide und 24 % der Insektizide weltweit werden im Baumwollanbau eingesetzt
  • 60.000 km hat unsere Kleidung im Schnitt bereits zurückgelegt, ehe sie auf dem Ladentisch landet
  • die Herstellung einer Jeans braucht 7.000 Liter Wasser
  • der Durchschnittsdeutsche kauft 60 Kleidungsstücke pro Jahr
  • bevor sie in den Altkleidern landen, wird unsere Kleidung im Durchschnitt nur 4 Mal getragen
  • nur 0,5 – 1 % des Verkaufspreises geht als Lohn an die ArbeiterInnen
  • trotz all dem hat sich unser Kleidungskonsum seit 2000 verdoppelt

*Quellen: Greenpeace, WWF, Umweltbundesamt, Ellen Mac Arthur Foundation

Zeit für Fairänderung, oder?

Und so bringt ihr mehr Nachhaltigkeit in euren Kleiderschrank…

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Mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank: Kleidung reparieren und flicken

#1 Kleidung wieder wertschätzen

Hinter jedem Kleidungsstück in unserem Schrank stecken wertvolle Rohstoffe, Energie und die Arbeitskraft vieler Hände. Und genau DAS sollten wir wieder wertschätzen lernen. Unsere Kleidung ist mehr wert als der (oft viel zu niedrige) Preis auf dem Etikett, und sie ist definitiv keine Wegwerfware. Lieben wir also die Klamotten, die wir bereits Zuhause im Schrank haben, und sorgen wir wieder dafür, dass all die Jacken, Hosen und Pullover lange halten. Und wie funktioniert das ganz praktisch?

  • so wenig wie möglich waschen
  • mit niedrigen Temperaturen waschen
  • wenn möglich an der Luft trocknen
  • Kleidung, die nicht mehr passt, ändern (lassen)
  • kaputte Kleidung reparieren, stopfen und flicken

All das reduziert Verschleiß und verlängert die Nutzungsdauer, und schont so Umwelt und Geldbeutel gleichermaßen. Manchmal kann Nachhaltigkeit so einfach sein, oder?

Mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank: Weniger ist mehr

#2 Weniger ist mehr – Neue Bescheidenheit im Kleiderschrank

Wie viele Klamotten brauchen wir eigentlich? Gar nicht so leicht zu beantworten, oder? Heute hat Einkaufen oft nichts mehr damit zu tun, dass wir etwas wirklich brauchen. Wir kaufen aus Lust und Laune, aus Langeweile oder als Belohnung, und weil die Preise für Kleidung so unfassbar günstig sind, landet viel mehr im Einkaufskorb, als wir überhaupt nutzen können. Das Resultat sind übervolle Kleiderschränke und unzählige Shirts, Hosen und Co., die selten oder sogar nie getragen werden. Ständig wechselnde Trends und wöchentliche (!!!) Kollektionen verstärken diese unsägliche Entwicklung.

Die nachhaltige Lösung heißt, wie so oft, Weniger ist mehr! Widersteht der täglichen Konsumversuchung und macht einfach eine Konsumauszeit. Ihr werdet überrascht sein wie gut das tut. Achtsamkeit, Selbstliebe und Innehalten statt atemlosen Shoppingwahnsinn.

Mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank: Kleidung gebraucht kaufen

#3 Gebrauchte Kleidung ist nachhaltiger als neue

Secondhand Kleidung ist eine tolle und nachhaltige Alternative zum Neukauf, die sich wirklich jeder leisten kann. Nicht nur für Kinder! Mit Fundstücken aus dem Secondhandladen, vom Flohmarkt oder von der Kleidertauschparty kreiert ihr in Windeseile einen individuellen Vintagelook, den garantiert nicht jeder hat. Ein stylisches Outfit, ganz ohne den Einsatz neuer Rohstoffe.

Und für all diejenigen, die nichts von Fremden tragen wollen, hab ich noch einen Extra-Tipp: Veranstaltet doch einfach eure eigne Kleidertauschparty mit lieben Freunden? Jeder bringt 10 Kleidungsstücke aus seinem Schrank mit und dazu gibt’s Kaffee und Kuchen, oder ein kühles Bier und gute Musik. Klingt doch gut, oder?

#4 Macht euch schlau und lasst euch beim Kauf unterstützen

Kennt ihr eigentlich alle Textilsiegel? Wahrscheinlich werden jetzt die wenigsten mit einem klaren Ja antworten, und das hat gute Gründe. Es gibt ziemlich viele Siegel! Bei den einen liegt der Fokus auf Verbrauchersicherheit, bei den anderen auf Fairness oder es werden ökologische Standards definiert und zertifiziert. Mal geht es um die gesamte Produktionskette und mal nur um einzelne Schritte wie die Erzeugung der Rohstoffe. Damit Textilsiegel eine Hilfestellung beim Kleidungskauf sein können hilft alles nichts. Wir müssen uns gut informieren, und das geht zum Beispiel bei Umweltschutzverbänden wie Greenpeace. Nur so können wir eine bewusste und nachhaltige Kaufentscheidung treffen, mit Rücksicht auf Umwelt und die Menschen, die unsere Kleidung herstellen.

#5 Wer braucht schon Plastik-Kleidung?

Plastik ist in vielen Bereichen unseres Lebens ein Problem. Auch bei unserer Kleidung, denn die besteht heutzutage oftmals zu großen Teilen aus Kunststofffasern wie Polyacryl, Nylon oder Elastan. Dieser komplexe Fasermix macht moderne Kleidung schlicht zu nicht Recycling-fähigem Restmüll für die Verbrennung. Was für eine enorme Ressourcenvernichtung, oder? Doch das ist noch nicht das einzige Problem der Plastikfasern. Beim Waschen, aber auch durch Reibung und unsere Körperbewegung lösen sich kleinste Faserteile und gelangen als Staub in die Luft, oder mit dem Waschwasser der Waschmaschinen in Flüsse, Seen und ins Meer. Und das ist definitiv nicht gut! Mikroplastik ist eine äußerst langlebige und ernste Gefahr für Umwelt, Ökosysteme, und nicht zuletzt für unsere eigene Gesundheit. Warum? Feinster Faserstaub gelangt mit der Atemluft in unsere Lungen und über die Nahrungsketten in unser Essen, und die Langzeitfolgen sind bis heute nicht abzuschätzen.

Besser wäre es doch, wenn es gar nicht so weit kommt, oder? Die einfachste Lösung bieten uns biologisch abbaubare Naturfasern wie zum Beispiel Wolle, Hanf, Viskose, Leinen oder Baumwolle ohne Kunststoffbeimischung. Achtet doch also bei eurem nächsten Kleidungskauf unbedingt auf die Materialzusammensetzung und vermeidet Kunststofffasern am besten komplett. Ein tolles Siegel für Naturtextilien ist IVN Best, das gleichzeitig eines der strengsten Textilsiegel auf dem Markt ist.

Mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank: Bewusster Umgang mit Altkleidern

#6 Mehr Liebe für Altkleider

Und wohin mit ungeliebten und aussortierten Klamotten aus unserem Kleiderschrank? Die beste und nachhaltigste Möglichkeit ist immer noch Tragbares an einen neuen Besitzer weiterzugeben und die Nutzungsdauer so zu verlängern. Das kann ein Verkauf auf Flohmarkt und Co. sein, aber auch eine Altkleiderspende, wenn möglich lokal und/oder an einen seriösen Anbieter. Das gilt insbesondere für Altkleidercontainer.

Untragbares und nicht mehr Reparierbares kann zweckentfremdet werden, denn schließlich ist alles besser als wertvolle Altkleider in der Mülltonne zu entsorgen. So kann sich eine alte Unterhose in einen Putzlappen verwandeln, ein fleckiger Babybody in ein praktisches Stoffsäckchen zum Einkaufen oder ein löchriges T-Shirt in vielseitiges TShirt-Garn zum Basteln. Egal, ob Downcycling oder Upcycling. Je länger wir Textilien in irgendeiner Form nutzen, umso besser wird ihre Gesamtbilanz.

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Auch bei meinem letzten Einsatz als Nachhaltigkeitsexpertin beim BR ging es um Nachhaltigkeit im Kleiderschrank (Wir in Bayern vom 07.02.2020). Wer Lust hat, der kann sich den Beitrag ja mal ansehen. Ab Minute 30 geht es los.

Und, was meint ihr? Mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank ist doch gar nicht so schwer, oder? Der einfache Schlüssel ist Wertschätzung, Bescheidenheit und mehr Bewusstsein.

Und schon fairändern wir die Welt.

Pinterst-Pin: Mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank

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