Skifahren, Klimaschutz und Nachhaltigkeit – Geht das?

Skifahren in Zeiten des Klimawandels - Nachhaltige und klimaschonende Wintersport-Alternativen

Wohl kaum einer wird bestreiten, dass Skifahren ökologisch gesehen nicht die beste Freizeitbeschäftigung ist. Blechlawinen, Abgase, künstliche Beschneiungsanlagen und durch Pisten verunstaltete Landschaften. Das alles kann man mit regionalen Äpfel in der plastikfreien Brotzeitbox leider nicht so schnell wieder wettmachen. Und trotzdem: Kaum fällt der erste Schnee, schon bekomme ich Lust Skifahren zu gehen. Es ist wie ein Reflex und der wurde mir, als echtem Münchner Kindl, quasi schon in die Wiege gelegt. Dieses unbeschreibliche Gefühl oben an der Piste zu stehen und loszudüsen, über Schanzen zu springen und unbeschwert im Weiß dahin zu gleiten. Es gab Jahre, da verbrachte ich tatsächlich jedes einzelne Winterwochenende auf den Brettern.

Ich liebe es Ski zu fahren!

Die letzten Jahre war nun Kinder-bedingt vorerst Schluss mit dem Skifahren. Freiwillig so früh raus in die Kälte und das trotz dem ständigen Schlafmangel? Die Verlockung hielt sich ehrlich gesagt in Grenzen. Und jetzt? Jetzt ist sie plötzlich wieder da, die Frage nach dem Skifahren ja oder nein. Und jeden Winter werden wir aufs Neue gefragt, ob unsere Kinder nicht (endlich) einen Skikurs mitmachen wollen.

Skifahren? In Zeiten des Klimawandels?

Geht das? Können wir all die negativen Aspekte für unsere Natur und für die alpine Tier- und Pflanzenwelt einfach ausblenden, weil das Skifahren eben so viel Spaß macht? Tatsächlich fiel mir das früher deutlich leichter. Heute fühle ich den Widerspruch von Skizirkus, Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu stark um ihn zu ignorieren. Ich fühle mich verantwortlich, denn dieses Hobby hat enorme ökologische Folgen. Im Hier und Jetzt und für die Zukunft unserer Kinder. Spaß hin oder her!

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Einige Fakten:

  • 2.100 GWh pro Wintersaison werden für die künstliche Beschneiung verbraucht; damit könnte man 500.000 Haushalte ein Jahr mit Strom versorgen
  • 280 Millionen m³ Wasser pro Wintersaison werden für die künstliche Beschneiung von 70.000 Hektar Pistenfläche verbraucht; ganz München verbraucht jährlich rund 95 Millionen m³
  • 70 % der österreichischen Pistensind mit Kunstschnee präpariert
  • 1 % der Alpen wird für Pisten genutzt, das entspricht 142.685 Fußballfeldern
  • die Anreise ist für etwa 85 % der CO²-Emissionen des Wintersports verantwortlich

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Skifahren verbraucht riesige Mengen an Energie und Wasser, es verändert die Landschaft unwiderruflich, vor allem die An- und Abreise mit dem Auto ist klimatechnisch alles andere als verträglich und eines scheint leider sicher: Die Winter werden wärmer und die Pisten grüner. Sollen unsere Kinder also unter diesen Umständen überhaupt noch Skifahren lernen?

Ist Skifahren vielleicht einfach nicht mehr zeitgemäß?

Bei 12 Grad diesen Januar und keinem (natürlichen) Schnee in Sicht scheint das die traurige Erkenntnis zu sein (das Titelfoto ist vom 14.01.2020). Aber Nachhaltigkeit und Klimaschutz hören eben nicht beim Ökogemüse und dem Fair-Trade T-Shirt auf. Wenn ich es ernst meine mit dem grünen Lebensstil, dann muss ich meine Hobbys genauso kritisch hinterfragen wie meine Ernährung. Auch wenn es weh tut. Denn Veränderung kann immer nur bei mir selbst beginnen. Was ist also mein persönliches Fazit zum Wintersport?

Ab jetzt gehen wir im Winter Langlaufen, Schneeschuhwandern und Schlitten fahren.

Und der Kinderskikurs, der ist gecancelt. Außerdem bleiben wir in der Region und ohne natürlichen Schnee verzichten wir auf den Winterspaß. Kunstschnee-Rodeln neben grünen Wiesen erscheint uns einfach zu grotesk. Wenn wir einen Ausflug in die Berge machen, dann, wann immer möglich, mit der Bahn und gezielt in Gebiete, die auf Nachhaltigkeit setzen. Zum Beispiel in den Nationalpark Bayerischer Wald. Genau SO fühlt es sich für uns stimmig an. Und für euch?

Was denkt ihr? Skifahren oder lieber nicht?

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6 Kommentare bei „Skifahren, Klimaschutz und Nachhaltigkeit – Geht das?“

  1. Hallo Alex! Oha – da geht es ans Eingemachte! Ich bin gespannt, wie Du Dich entscheiden wirst. Wie Du selbst schreibst, ist Skifahren nicht wirklich ein „grünes Hobby“. Als Kind und junge Erwachsene war ich mindestens zweimal im Jahr auf den Brettern. Bei mir hat es sich erledigt, weil mein Mann (Venezolaner) so gar nichts mit Wintersport am Hut hat. Ich selbst bin nun schon so lange nicht mehr gefahren, dass ich dieses Hobby total vergessen habe. Hier in Berlin sind die Berge dazu noch weit. Deshalb kann ich gut darauf verzichten. Was mich aber schmerzt – wir haben uns vorgenommen aus ökologischen Gründen nicht mehr zu fliegen, schluchz. Ich träume hier in der nassen Kälte von Palmenstränden. Deshalb kann ich gut nachvollziehen, wie schwer das mit dem Skifahren für dich ist. Ich weiß noch nicht, ob wir lange durchhalten. Manchmal denke ich (leider): „Ist doch eh alles für die Katz. Die ganze Welt jettet durch die Gegend (fährt Ski), dann kommt es auf mich ja nicht mehr an.“ Aber so will ich natürlich eigentlich nicht denken, deshalb versuche ich, durchzuhalten.
    LG Katrin

    1. Hallo Katrin,
      Ja, das ist wirklich nicht einfach. Ich will meinen Kindern ja auch nichts vorenthalten, was ich selbst so geliebt habe. Manchmal ist grün(er) leben wirklich schwierig… Und ja ich kann dich gut verstehen. Ich frage mich auch des Öfteren, warum ich auf der Straße jeden Plastikschnipsel aufhebe, wenn es gefühlt dem Rest der Welt Wurst ist :-(.
      Aber dann überrascht mich mein Großer und sagt aus heiterem Himmel zur Oma, sie soll doch lieber zu Fuß gehen als mit dem Auto fahren. Das ist nämlich schlecht für die Umwelt. Und dann weiß ich wieder, warum es sich lohnt. ALLES :-)!
      LG Alex

  2. Wenn ich im Flugzeug über verschneite Berge fliege, denke ich immer mal wieder: Mein Gott, ist das schön. Und um diese Erkenntnis zu haben, hilft mir das Kerosinwunder. Ökologie gibt es nie ohne Widerspruch, denke ich mir. Deshalb sage ich: Wenn Skifahren, dann ohne Gewissensbiss. Die Natur genießen. Den Berg respektieren. Die Grenzen feiern, die man bei heftigem kalten Wind und Schnee an einem nicht so sonnigen Skitag schnell erfahren kann. Die alten Ski lange behalten. Bahn fahren? Hmmmm

    1. Hallo Wolfi,
      dein Satz „Ökologie gibt es nie ohne Widerspruch“ ist auch aus meiner Erfahrung sehr wahr. Das macht es manchmal so schwierig, denn alles kann man irgendwie nie richtig machen. Aber vielleicht kann man ja versuchen es immer so richtig wie eben möglich zu machen? Ich denke dann bleibt viel Spielraum für persönliche Leidenschaften und Umweltbewusstsein. Wie du schon sagst. Vielleicht einfach die alten Ski behalten und öfter mal mit der Bahn fahren? Oder anfangen mehr Touren zu gehen?
      Nachdenken und bewusst machen ist auf jeden Fall nie verkehrt ;-)!
      Danke fürs mitdenken und liebe Grüße
      Alex

  3. Oh ja, ich kenne diesen Zwiespalt gut. Als Schweizerin mit den Bergen vor der Tür entfällt bei mir zumindest den grössten Teil der Anreise, wir haben nicht weit. Aber dafür haben wir die Auswirkungen in der Landschaft auch deutlicher vor Augen.

    Wobei nicht alles an deinen Fakten wirklich ökologisch bedenklich ist: der (Trink-)Wasserverbrauch beispielsweise ist sehr abhängig davon, wie nachhaltig die Beschneiung ist. In den meisten Skigebieten, die ich kenne, wird durchs Jahr über Schmelz- bzw. Regenwasser gesammelt, das würde sonst einfach mit der Frühjahrsschmelze ins Meer rauschen, das belastet die Umwelt nicht. Im Gegenteil, in trockenen Sommern wie im vergangenen Jahr können auch Alpwirtschaften und ggf. sogar Wildtiere von den künstlich angelegten Sammelbecken profitieren. Und inzwischen werden mancherorts die für die Beschneiung nötigen Druckleitungen mit einem Klein-Wasserkraftwerk kombiniert, so dass der Speichersee im Sommerhalbjahr genutzt werden kann, um erneuerbare Energie zu erzeugen oder auch überschüssige (Sonnen-/Wind-)Energie zu speichern, so dass dann auch die Beschneiung im Endeffekt energieneutral ist. Klar könnte man den Strom sinnvoller verwenden, aber immerhin wird er vor Ort erzeugt und stammt aus erneuerbaren Quellen. Bisher sind das nach meinem Kenntnisstand noch wenige Wintersportorte, aber immerhin tut sich da was…

    Aber natürlich ist das ein kleiner Trost, wenn man an die Gesamtauswirkung des ganzen Wintersport-Zirkusses denkt. Denn auch im Winter gilt: (Massen)Tourismus ist nie gut für die Umwelt. Wir sind deshalb (und weil auch hier die noch wirklich schneesicheren Gebiete immer weiter weg sind) auch weitgehend auf „harmlosere“ Wintersport-Aktivitäten wie Schlitteln, Langlauf und Winterwandern umgestiegen. Bisher sind die Kinder aber auch noch zu klein, um grösseres Interesse am Skifahren zu zeigen. Ob ich es ihnen wirklich vorenthalten will, wenn alle Schulkameraden und Freunde skifahren, weiss ich noch nicht.

    LG, Julia

    1. Alexandra Achenbach sagt: Antworten

      Hallo liebe Julia,
      Alles nicht so einfach, oder?
      Schön, dass nicht nur wir am Grübeln und Hinterfragen sind ;-).

      Das Problem mit dem Wasser ist oft auch, dass die Ökosystem von Bächen und Flüssen durch die Wasserentnahme belastet werden. Die geringere Wassermenge verändert schlicht die Strömungsverhältnisse, den Sauerstoffeintrag und und und.
      Es ist einfach alles zu viel. Zu viel Verkehr, zu viele Menschen. Und wie du schon sagst, Skigebiete, die einen anderen Weg gehen sind (noch) rar.

      Im Moment fühlt es sich auf dem Schlitten einfach besser an. Wenn es denn überhaupt noch mal schneit diesen Winter. München ist nämlich immer noch grün :-(.

      Alles Liebe
      Alex

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