Schimmel in der Wohnung natürlich und nachhaltig bekämpfen

Schimmel an Wänden erfolgreich bekämpfn und vorbeugen

Wir haben ein Schimmelproblem in unserer Wohnung. Noch nicht seit unserem Einzug, aber als vor ein paar Jahren unsere alten Fenster vom Vermieter durch neue (und winddichte) ausgetauscht wurden hat sich das Klima in unserem Zuhause nachhaltig verändert. Unsere Gewohnheiten und unser Lüftungsverhalten, dass sechs Jahre lange entspannt und ohne Schimmel an den Wänden funktioniert hatte, führte plötzlich zu Problemen. Für Baubiologen und Gutachter ist das tatsächlich keine große Überraschung. Vor allem dann nicht, wenn bei energetischen Sanierungen auf eine zusätzliche Dämmung der Wände verzichtet wird. Genau SO ist es bei uns. Ungedämmte Außenwände mit großen Temperaturschwankungen und dichte Fenster. Eine sehr schwierige Kombination.

Hohe Luftfeuchtigkeit und kalte Wände = Schimmel

Das Ergebnis war Schimmelbildung überall da, wo die Wände besonders kalt werden und die Luft nicht ausreichend zirkulieren konnte. Wie zum Beispiel hinter unseren Küchenoberschränken. Aufgefallen ist es uns, als es grün auf die Arbeitsplatte rieselte und wir uns gewundert haben, wo der Dreck herkommt. Kaum weggewischt, war er wieder da. Zum Glück haben wir uns dann auf die Suche gemacht und waren erst mal echt geschockt. Schimmel! In unserer Wohnung! Fast im gleichen Moment in dem man die grüne Wand sieht, denkt man an Asthma und Lungenschäden der Kinder, und eines stand fest! Der Schimmel muss weg! Und zwar sofort!

Schimmelbekämpfung, aber wie?

Also ran an die Wände und weg mit dem Schimmel, und eines kann ich euch sagen: Das war echt viel Recherche, viele Nerven und noch mehr Arbeit. Und genau deshalb will ich euch hier eine kleine Abkürzung bieten, quasi unsere besten Erkenntnisse schnell und auf einen Blick.

Und bekommt ihr Schimmel in euren vier Wänden in den Griff!

Disclaimer: Diese Anleitung ist primär für leichten bis mäßigen Schimmelbefall geeignet. Bei schweren Fällen sollte unbedingt zeitnah der Rat von Fachleuten eingeholt und der Schimmel fachkundig entfernt werden.

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#1 Schimmel finden und entfernen

Du hast Schimmel in deiner Wohnung entdeckt? Perfekt! Das Wichtigste ist nämlich erst einmal das Erkennen des Problems, denn nur so kann auch eine Lösung gefunden werden. Dann heißt es Atemschutzmaske auf, Gummihandschuhe an, Fenster weit auf und ran an die Pilze. Das klappt natürlich mit ökologischem Schimmelentferner aus dem Handel, aber eine ebenso gute und kostengünstigere Alternative ist hochprozentiger Alkohol (mindestens 70 %). Schnapp dir also medizinischen Alkohol wie zum Beispiel Isopropanol (= Isopropylalkohol) oder Spiritus, tränke einen Lappen (alte Unterhosen, Bettlaken, ect.) damit und behandle alle betroffenen Flächen großzügig und großflächig. Je nach Ausmaß ruhig zwei- oder dreimal drüber gehen. Versuche auf diese Weise einen Teil des Schimmels einfach wegzureiben und entsorge anschließend die Lappen luftdicht in einem zugeknoteten Plastiksack (alte Klopapiertüte ect.). Alternativ kann auch mit einer Sprühflasche und einem Spachtel gearbeitet werden. Schimmel einsprühen, abspachteln und anschließend die Farb- und Tapetenreste mit einem Alkohol getränkten Lappen aufwischen. Lappen wie beschrieben entsorgen.

Sind bereits die Möbelrückwände betroffen diese ebenso gründlich mit Alkohol abwischen und gegebenenfalls entsorgen.

Wichtig: Arbeite immer nass und nicht trocken, und tausche den Lappen regelmäßig aus um die Schimmelsporen nicht unnötig zu verteilen. Arbeite immer mit guter Belüftung spricht weit geöffnetem Fenster, da bei Alkoholdämpfen sonst Explosions- und Feuergefahr besteht. Auf keinen Fall rauchen oder eine Kerze anzünden.

#2 Alles neu mit Kalkfarbe

Der Schimmel ist entfernt? Dann erst mal den Boden und alle Oberflächen mit einem feuchten Lappen und etwas Alkohol abwischen. So werdet ihr noch mehr der lästigen Schimmelsporen los. Sobald die Wände trocken sind kann die Sanierung starten und dafür sollten die Wände unbedingt mit einer Farbe gestrichen werden, die neuer Schimmelbildung vorbeugt. Unser Mittel der Wahl ist daher Kalkputz und Kalkfarbe. Anders als spezielle Schimmelfarbe, die mit Fungiziden arbeitet, ist Kalkfarbe durch seinen stark alkalischen pH-Wert ein natürlicher Schutz vor Schimmel ganz ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Ihr könnt also eure Wand zunächst mit Kalkputz vorbereiten (nur wenn nötig), mit Kalkfarbe streichen und Schimmel hat (fast) keine Chance mehr! Neben dem niedrigen pH-Wert schafft Kalk auf den Wänden außerdem eine diffusionsoffene Oberfläche. Das bedeutet, dass die Wandfarbe „atmet“ und Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen und wieder abgeben kann. Die perfekte Lösung für ein gesundes Raumklima.

Tipp: Moderne ökologische Kalkfarben sind heute übrigens sehr anwendungsfreundlich und Dank hoher Pigmentierung ist oft nur ein Anstrich nötig. Wenn ihr wissen wollt, welche Farbe wir benutzt haben, dann schreibt mir gern in die Kommentare.

#3 Auf Abstand achten und Möbelrückwände weglassen

Dieser Tipp klingt vielleicht erst mal etwas komisch, aber er macht durchaus Sinn. Ein guter Luftaustausch an Wänden ist nämlich das A und O gegen Schimmel und das gilt ganz besonders für alle Außenwände. Das bedeutet zum Einen, dass ihr eure Möbel unbedingt in einem Mindestabstand von 10 cm zur (Außen)Wand aufstellen solltet. Zum Anderen kann es zudem helfen Schränke ohne Rückwände aufzubauen. Wir haben das zum Beispiel bei unseren Küchenoberschränken so gelöst, da die 10 cm Abstand schlicht nicht möglich waren. Denkt allerdings daran, dass Möbelrückwände oftmals für die Stabilität notwendig sind, deshalb solltet ihr die Seitenwände zusätzlich mit Winkeln an der Wand befestigen.

Übrigens: Fehlen bei Schränken die Rückwände, so ist durch die freie Sicht eine Schimmelkontrolle der Wände deutlich leichter .

#4 Luftfeuchtigkeit messen

Luftfeuchtigkeitsmessgeräte in jedem Raum helfen Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Griff zu behalten. Wir haben daher seit „Schimmelgate“ an allen neuralgischen Punkten unserer Wohnung eines hängen. Teilweise auch in unseren Schränken an der Wand, was Dank fehlender Rückwände jetzt problemlos möglich ist. Steigt die Feuchtigkeit über 65 % an, wird fleißig stoß und quer gelüftet bis die Werte wieder passen. Eigentlich gar nicht so kompliziert, oder?

Tipp: Die ideale Raumtemperatur liegt in Wohnräumen übrigens bei 20° C und die ideale Luftfeuchtigkeit bei 50-60 %. In Schlafzimmer und Küche kann die Temperatur auch nur bei 18° C liegen, darunter steigt jedoch das Schimmelrisiko drastisch an. Also auf jeden Fall ans Heizen denken.

Schimmel ist kein Schicksal und in vielen Fällen lässt er sich mit wenig finanziellem Aufwand schnell und vor allem dauerhaft in den Griff bekommen. Wir haben Dank dieser Maßnahmen nun bereits seit Jahren Ruhe und das obwohl wir im Winter unsere Wäsche in der Wohnung trocknen und durch Homeoffice und Co. viel Zeit in der Wohnung verbringen.

Viel Erfolg gegen deinen Schimmel!

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Tipps um Schimmel natürlich und nachhaltig zu bekämpfen

2 Kommentare bei „Schimmel in der Wohnung natürlich und nachhaltig bekämpfen“

  1. Das Problem hatten wir auch, das ist keine schöne Erfahrung;(

    Alles Gute

    Alex

    1. Alexandra Achenbach sagt: Antworten

      Lieber Alex,
      da hast du echt recht! Echt etwas auf das man gut verzichten kann ;-)…
      Liebe Grüße
      Alex

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