Mikroplastik beim Waschen und die Frage: Kann man Plastik mit Plastik bekämpfen?

Mikroplastik beim Waschen und die Frage: Plastik mit Plastik bekämpfen? Macht das Sinn?

Oh, auf diese Antwort, liebe Rachel, freue ich mich ganz besonders. Nicht, dass ich nicht immer Feuer und Flamme für unser Projekt „Eine Frage der Nachhaltigkeit“ wäre, aber heute bin ich einfach SEHR gespannt darauf, was du denkst. Es geht nämlich um Mikroplastik. Ein Thema, das mich schon länger ziemlich beschäftigt.

Wusstet ihr, dass sich bei jedem Waschen Kunststofffasern aus unserer Kleidung lösen und im Abwasser landen?

Klingt nicht besonders gut, oder? Und was macht man jetzt mit diesem Wissen? Was für Konsequenzen zieht man daraus. Und was ist mit diesem ominösen Faserfangbeutel für die Waschmaschine?

Plastik mit Plastik bekämpfen?

Macht das Sinn? Hier kommt Rachel’s Antwort…

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Liebe Alex, es ist so erstaunlich, wie nah unsere Gedankenwelten beieinander liegen. Ich bin jedes Mal erneut fasziniert und freu mich über dieses Projekt, das wir hier jetzt schon seit Anfang des Jahres am Start haben. Aus deiner letzten Antwort zu unseren Joghurtbechern im Garten, resultierte deine Frage nach dem berühmt berüchtigten Kunststofffaserbeutel, mit dem sich Mikroplastik in der Waschmaschine sammeln lassen soll.

Mit Plastik Plastik bekämpfen?!?

Hier mal ein Zitat deiner Frage der Nachhaltigkeit von vor zwei Wochen: „Du weißt ja, dass unsere (Kunststoff)Textilien ein nicht zu unterschätzender Faktor für den Eintrag von Mikroplastik in unsere Umwelt sind. Wie gehst du mit diesem Wissen um? Was für Konsequenzen ziehst du daraus? Immer wieder begegnet mir in diesem Zusammenhang der Guppy Friend. Dieser Beutel, der in der Waschmaschine verhindern soll, dass die Kunststofffasern ins Abwasser gelangen. Was hältst’s du davon? Plastik mit Plastik bekämpfen?“

Kunststoff-Textilien als Ursache für Mikroplastik im Meer

Ich muss ja zugeben, als ich davon vor zwei, drei Jahren gelesen habe, wurde mir schon was anders. Bis dato hatte ich einfach so gar nicht darüber nachgedacht, dass das ja der Fall sein könnte. Und das obwohl wir schon plastikfreier unterwegs waren.

Hatte ich doch aus gesundheitlichen Gründen und im Rahmen des Minimalismus unsere Kunststoff-Utensilien in der Küche, im Bad, sowieso im gesamten Haushalt reduziert. Im Badezimmer gibt es nur noch Wasser, Haarseife und Zahnpasta. Plastiktüten gibt’s bei uns schon lange nicht mehr und neue Kleidung oder Spielzeug nur dann, wenn es wirklich notwendig ist. Kleidung kommt dann eher mal in Frage als Spielzeug. Dieser Lebensstil gelingt uns insgesamt ganz gut. In Form von Plastik weitestgehend nicht.

Außerdem haben wir vor langer Zeit auf Stoffwindeln umgestellt. Nur K3 wehrt sich standhaft, sie nach dem Winter wieder zu benutzen. Es will sie einfach nicht. Doch dazu an anderer Stelle mehr. Denn obwohl wir auf Stoffwindeln umgestiegen sind, so hatte ich in dem Moment echt ein Problem. Ein Problem mit der Information, dass durch MEINE Waschmaschine Mikroplastik ins Meer gelangen sollte?!! Unseren Windelmüll konnte ich um einige Prozent reduzieren, doch das Mikroplastik, das wir durch unsere Stoffwindeln ins Meer befördern, habe ich antiproportional dazu erhöht? Großartig. Na ja, nicht wirklich.

Vorab: Die Hälfte unserer Stoffwindeln ist aus Baumwolle. Das bedeutet, dass wenn wir diese verwenden, sich der Mikroplastikanteil auf nahezu 0% reduziert. Die Überhosen können aus Kunststoff sein, ja. Aber auch aus Wolle. Damit sind wir und ihr dann restlos auf der sicheren Seite, das Mikroplastik betreffend. Sofern sie sich denn verwenden ließen.

Plastik mit Plastik bekämpfen? Geht das überhaupt? Wie ist das mit dem Mikroplastik im Meer?

Alex, ich bin mir da sehr unschlüssig. Ich habe auch schon sehr häufig von diesem Plastikbeutel, dem Guppy Friend, gehört. Überzeugt hat mich das nur leider nicht.

Ich fände die Idee toll, wenn ich die 100%-ige Sicherheit hätte, dass es funktioniert. Was mich allerdings so oder so an dieser Idee stört, ist die Tatsache den möglichen Verzicht an dieser Stelle zu umgehen. Dieses Phänomen finde ich an so vielen Stellen in unserer Gesellschaft wieder. Und ja, ich glaube nicht, dass das die Lösung ist.

Ein Kunststoffbeutel als faule Ausrede?

Für mich fühlt sich der Gedanke mit diesem Beutel Plastik zu bekämpfen wie eine schlechte Entschuldigung an. Wieso verzichte ich nicht lieber auf zunehmend mehr Synthetik in meiner Kleidung?

a) Meine Gesundheit, meine Haut und mein Körper werden es mir oftmals danken.
b) Auch die Fairness in meinem Kleiderschrank könnte sich wesentlich verändern, wenn ich auf Billigkleidungsstücke verzichte und nur durch hochwertig verarbeitete und nahezu Kunststoffreie Textilien ersetze und ergänze.
c) Wieso reduzieren wir nicht einfach ein wenig unseren Kleidungskonsum?

Klar: Synthetik komplett zu ersetzen ist ein Riesenakt! Ich weiß das und gehe seit langem nur noch mit schlechtem Gewissen zum Sport oder laufen. Und Leute, ich hab mal versucht, meine Laufsachen nicht jedes Mal zu waschen. Doch ganz ehrlich: Alleine geht das zwar gerade so drei, viermal. Aber mit Partner, und das ist ja mein Ziel, kein zweites Mal.

Komplett auf Plastik in der Kleidung verzichten, gelingt nicht

Vielleicht muss es das aber auch nicht. Na klar, wir müssen was gegen unser Plastikproblem tun. ABSOLUT. Und jedes Stück Plastik, für das wir kein Geld zahlen, weil wir es beim Einkauf nicht wählen, nicht verwenden und nicht mit bezahlen, ist ein gutes Stück Plastik.

Wir haben Alternativen, müssen sie uns nur teilweise auch erst erschließen. Das betrifft den Einkauf von Lebensmitteln, genauso wie den von Kleidungsstücken.

Trotzdem machen Produzenten oftmals das, was sie wollen, orientiert an wirtschaftlichen und nicht an ökologischen Interessen. Wieso auch? Nach mir die Sintflut ist oftmals das Motto. Das Verhalten von Unternehmen und deren Geschäftsführern zwingt uns jedoch nicht, diese Umstände hinzunehmen. Und das ist die Haltung, die ich mir in den letzten Jahren zunehmend mehr aneigne. Ich und wir sind die Veränderung der Welt, die wir haben wollen.

Also schreibe ich Unternehmen an, frage nach – hier vor Ort gerne auch mehrmals. Ein Guppyfriend ist vielleicht ein Symptombehandler. Nur leider nicht mit der 100%-igen Sicherheit an Mikroplastikfreiheit, wie ich sie gerne hätte und das Plastikproblem bleibt, wenn es weiterhin alle weiterverwenden.

Mikroplastik ist überall.

Mikroplastik und Kunststoffrückstände wurden schon im Wasser, im Fisch und auch im Honig entdeckt. Mich erstaunt das inzwischen auch nicht mehr. Vor ein paar Wochen war ich mit einer Kindergartengruppe auf einer Mülldeponie und wir haben uns ein bisschen die dortigen Abläufe angeschaut.

Ganz ehrlich: Mich hat das total entsetzt. Wir hatten das „Glück“, dass ein Müllauto hereingefahren kam und sich das Fahrzeug von seinem gelben Verpackungsmüll entledigt hat. Die Menge des aus ihm herausgedrückten Abfalls war gigantisch und vermutlich noch nicht einmal annähernd von einer ganz Stadt.

Der Müll wird meistens erstmal nur ausgeladen und umgeladen. Denn oft werden unsere Abfälle noch ein wenig durch die Gegend transportiert, in der jeweiligen Anlage zerkleinert und dann wieder zurück zur Deponie verfrachtet, wo sie auf einem offenen Müllberg abgeladen werden. Ich will gar nicht wissen, wie viele Mikroplastikteilchen ich eingeatmet, wie viele mikroskopisch kleine Schutzteilchen ich in diesen zwei Stunden inhaliert habe.

Plastik bekämpfen durch Verzicht

Mein Weg ein Zeichen zu setzen und Veränderung zu bewirken ist hinsichtlich der Waschmaschine folgender:

  1. Ich wasche selten. Als fünfköpfige Familie etwa 3x die Woche.
  2. Ich vermeide Kleidungsstücke mit hohem Kunststoffanteil.
  3. Ich überlege mir sehr genau, welche Synthetikklamotten ich wie oft, wie intensiv wasche.
  4. Außerdem mache ich es zum Thema, um ein Bewusstsein darüber zu schaffen. Das Perfide an der ganzen Sache, die meisten wissen ja gar nicht um diesen Umstand. Wie auch? Wenn keiner drüber spricht und wir einfach hinnehmen, was uns vorgesetzt wird.

Tja, liebe Rachel. Plastik mit Plastik bekämpfen? Da beißt sich die Katze tatsächlich in den Schwanz. Da bin ich ganz bei dir! Genauso wie bei den Lösungsansätzen, die ihr für euch versucht. Noch nicht perfekt, aber dennoch bereits ein guter Anfang und genau deshalb auch eine

gute Antwort.

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Und hier kommt deine neue Frage an mich:

So, liebe Alex. Wirklich positiver war diese Antwort nun leider nicht. Allerdings habe ich mir was überlegt, wozu ich selber die nächsten Tage gerne schreiben werde. Folgendes: Dein perfekter Tag, schon mal darüber nachgedacht? Wie würde dein perfekter Tag in einer nahezu perfekten Welt (Abstriche sind erlaubt) in Sachen Nachhaltigkeit aussehen? Hier ist jetzt Mal richtig viel Raum für Utopien. Machst du mit?

Erzähl mal. Von Anfang an. Ich bin so gespannt, weil ich weiß, wie kreativ du bist.

Und meine Antwort gibt es bei MamaDenkt

Pinterest-Pin: Mikroplastik beim Waschen

8 Kommentare bei „Mikroplastik beim Waschen und die Frage: Kann man Plastik mit Plastik bekämpfen?“

  1. Hallo, ich habe mir auch vor bestimmt einem Jahr den „Guppy Friend“ Sack für die Wäsche besorgt. Ich habe wenig Textilien aus „Plastik“, aber grade bei BHs und Slips habe ich doch eine ganze Reihe. Letztlich habe ich jetzt ein Jahr lang meine „Plastikwäsche“ in diesem Sack gewaschen. Es war nichts in diesem Sack. Nichts. Kein Fluselchen. Ich habe ihn ein paarmal mit einem Handstaubsauger ausgesaugt, nachdem er trocken war. Es war nichts drin.
    Entweder
    a) ist meine Wäsche schon zu alt, es löst sich nichts mehr
    b) die Teile sind kleiner als die Löcher im Sack und werden mit raus gespült.

    Ich habe den Sack nun an meinen Freund weitergereicht, der ihn für seine Wäsche nutzt, die er in den Trockner gibt. Ich habe keinen (Grund: Energieverschwendung), ich habe einen großen Keller, wo das Zeug trocknen kann.
    Und da funktioniert er gut. Der Sack ist voll mit Flusen.

    LG Sunny

    1. Danke liebe Sunny, für deinen kleinen Bericht aus der Praxis. Und auch gut zu lesen, dass der Beutel bei deinem Freund anscheinend funktioniert. Trotz allem finde ich den Gedanken immer noch ein bisschen komisch. Plastik gegen Plastik?
      Alles Liebe
      Alex

      p.s. wir haben auch keinen Trockner ;-)…

      1. Zum Trockner. Ich finde es nicht nur Energieverschwendung. Ich finde diese labrig weichen Handtücher ebenfalls unerträglich. Wir (auch mein 22 jähriger Sohn) schätzen unsere „harten“ frischen Handtücher. Die einfach an der Luft trocknen und dann zusammengelegt werden. Bügeln tu ich die auch nicht. Zeit und Energieverschwendung. :-))) Wenn ein Handtuch nicht mehr hart ist kommt es nach 1 Woche ca in die Wäsche. Geduscht wird bei uns auch nur mit kleinen Handtüchern. So dick sind wir nicht, dass wir ein größeres brauchen um uns abzutrocknen. Passt mehr rein in die Waschmaschine. Ganz so vorbildlich wie Du bin ich nicht. Aber ich bemühe mich. Vor allem finde ich es immer wichtig mal das Hirn einzuschalten, und zu überlegen, ob es einen echten Grund gibt, etwas zu tun, wie man es tut. Oder ob es der totale Käse ist.
        Kennst Du den Blob von Traude Rostrose. Ich weiß nicht, ob ich ihn Dir schon empfohlen habe. Ich denke das könnte Dich interessieren.
        http://rostrose.blogspot.de/2018/05/noch-ein-bisserl-was-vom-april-2018.html
        LG Sunny

        1. Hey Danke für den Lesetipp :-D! Den kannte ich noch nicht. Ich weiß auch gar nicht, ob wir wirklich soooo vorbildlich sind. Wir hinterfragen uns einfach nur ständig. Es ist nämlich ganz genau wie du sagst. Es sollte immer Sinn machen was, und wie man die Dinge tut. Auch wenn man es schon IMMER so macht ;-)…
          Allerliebste Grüße und schön, dass du mit mir zusammen nachdenkst…
          Alex

          p.s. Ich liebe übrigens auch unsere harten Handtücher!

    2. Ui. Das ist ja interessant… mhm, allerdings noch ein Grund warum ich weiterhin keinen solchen Sack verwenden werde. Dennoch hätte ich wirklich gerne eine sinnvolle Lösung für dieses Problem. Jedesmal beim Wäschen gehen mir diese ganzen Plastikteilchen durch den Kopf…

  2. Oh, auch ich danke für den Link und diese Neuentdeckung. Ich kannte den Blog noch nicht und werde ihn mir gleich mal anschauen. Vielen Dank!

  3. Hallo ich habe eine Frage zu den Stoffwindeln! Ich stelle grad quasi in den letzten Metern der Windelzeit auf Stoffwindeln um weil das unsere grösste Müllbaustelle ist. Und nun sehe ich ausschließlich Pul beschichtete Stoffwindeln beworben womit man seine Plastikbilanz auf grund des Mikroplastiks nicht gerade verbessert. Jetzt habe ich Überhosen aus Baumwolle gefunden von Hans Natur…aber finde nullkommanull Infos dazu im Netz. Erfahrungen damit? Oder irgendwelche Tipps zu Links/Videos/Bloggern???
    Fänd die Lösung mit Baumwolle schon immerhin ein Anfang…

    1. Alexandra Achenbach sagt: Antworten

      Hallo liebe Heike,
      Hhhhmmmm, also eine gute, aber auch schwierige Frage.
      Wahrscheinlich ist dein Beispiel wie so oft. Richtig gut bzw. perfekt wird es nicht. Aber besser. Vor allem, wenn man die enormen Müllberge bedenkt, die mit Plastikwindeln entstehen. Wie viel Mikroplastik durch die PUL-Beschichtung entsteht, kann ich leider nicht sagen. Ich habe dazu auch im Netz nichts gefunden. Also müsstest du abwägen zwischen Plastik im Abwasser oder Müllberg :-/.
      Baumwolle oder Wollüberhosen klingen da schon besser. Aber ich denke die Baumwollvariante geht wohl eher in Richtung windelfrei, oder? Denn „Flüssigkeits“dicht ist das wohl kaum ;-). Vielleicht klappt das aber trotzdem gut für euch. Viele Kinder werden so nämlich schneller sauber, weil es sich einfach unangenehmer anfühlt.
      Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen helfen. Wenn nicht, dann könntest du dich vielleicht auch mal an Mamadenkt wenden. Die hat viel Erfahrung mit Stoffwindeln ;-).
      Liebe Grüße
      Alex

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