Nachhaltig wohnen – Wie viel Platz braucht man eigentlich?

Nachhaltig wohnen. Im Tiny House oder im Einfamilienhaus mit Garten? Wie viel Platz braucht man um glücklich zu sein?

Hand aufs Herz: Wie viele Quadratmeter pro Person habt ihr im Moments zum Wohnen? Wohnt ihr (noch) in der Stadt oder auf dem Land, und bescheiden minimalistisch oder eher großzügig? Und wie viel Platz braucht man eigentlich um glücklich und zufrieden zu sein?

Tiny House oder hübsches Einfamilienhäuschen mit Garten?

Es ist schon seltsam. Spätestens mit der Geburt unserer Kinder ploppt bei den meisten wieder ein archaisches Programm im Hirn auf. Eines, dass viel eher an den Traum der 50er und 60er Jahre erinnert als an 20XY. Plötzlich ist alles zu eng und zu klein, schließlich muss jedes Kind ein eigenes Zimmer haben. Und einen Garten zum Spielen. Ja, eigentlich sollte es jetzt dringend das Häuschen im Grünen sein. Am besten freistehend, mit viel Platz und einem Hauch von Bullerbü-Romantik. Kommt euch das irgendwie bekannt vor?

Mit der Gründung einer Familie erwacht der Spießer in uns.

Und der braucht Platz. Von Minimalismus und Nachhaltigkeit bleibt da oft nicht viel mehr übrig als ein Komposthaufen an der Grenze zum Nachbargrundstück und ein Thermomix, der ja ganz viele Küchengeräte auf einmal ersetzen kann. Aber mal im Ernst, seit den 70er Jahren steigen die Quadratmeter pro Einwohner in Deutschland stetig an. Hohe Mieten dämpfen diesen Trend beim Wohnen zwar ab, aber am liebsten hätte doch jeder von uns sein geräumiges Einfamilienhäuschen mit Garten, oder? Zumindest, wenn er es sich leisten kann. Dabei ist dieser Traum aus Platzmangel weder für jeden machbar, noch ist diese Art zu wohnen nachhaltig.

Wer nachhaltig wohnen will, der muss seinen Lebensraum reduzieren.

Die Gründe für meine These sind einfach. Zum Einen ginge uns in Deutschland bei diesem Anspruchsdenken sehr schnell der Platz aus. Der Flächenverbrauch pro Kopf ist beim Häuschen im Grünen, verglichen mit einer Wohnung im Mehrfamilienhaus. immens. Die bebaute Fläche ist als natürlicher Boden unwiderruflich verloren, verdichtet und versiegelt. Hinzu kommt, dass Neubauen finanziell meist günstiger ist als Umbauen, Renovieren und Sanieren. Statt das an Bausubstanz zu nutzen, was schon da ist, wird also abgerissen und entsorgt. Betrachtet man die riesigen Mengen an Rohstoffen und Energie, dann sieht echte Nachhaltigkeit definitiv anders aus. Selbst dann, wenn das Ergebnis des Neubaus ein ökologisches Niedrigenergiehaus sein sollte. Und zum Anderen:

Jeder bewohnte Quadratmeter ist schlecht für Umwelt und Klima.

Bewohnte Fläche in Gebäuden muss beleuchtet, beheizt, möbliert, gereinigt und instand gehalten werden. Jeder einzelne Quadratmeter führt also dazu, dass wir um so mehr Energie und Ressourcen verbrauchen, je großzügiger wir wohnen. Wir können die Klimabilanz zwar durch Ökostrom und bewussten Konsum verbessern, die Dimensionen bleiben dennoch dieselben.

Also ab ins Tiny House?

Es lohnt sich zumindest einmal ernsthaft darüber nachzudenken, wie viel Platz man tatsächlich zum Wohnen und Glücklichsein benötigt.

  • Braucht wirklich jedes Kind den Luxus eines eigenen Zimmers?
  • Vielleicht kann es ja auch Spaß machen seine Wohnfläche immer wieder neu zu improvisieren? Mit Multifunktionsmöbeln, Hochbetten oder Stauraum über Türen?
  • Kinder sind nur Gäste auf Zeit. Irgendwann werden sie flügge und ziehen aus. Die Quadratmeter zum Heizen bleiben.

Und es schadet auch nichts, sich immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, dass viel Platz zum Wohnen ein Privileg und großer Luxus ist. Die meisten Menschen rund um den Globus können sich viel Platz schlicht nicht leisten.

Vielleicht ist weniger ja auch beim Wohnen mehr?

P.s. Übrigens: Wer die Idee eines Tiny House gerne mal persönlich erspüren möchte, der kann dies noch bis zum 21.Juli auf dem Tollwood in München tun. Am Samstag (20.07.) werde ich den ganzen Tag vor Ort sein, und würde mich sehr auf einen kleinen Ratsch mit euch freuen ;-).

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3 Kommentare bei „Nachhaltig wohnen – Wie viel Platz braucht man eigentlich?“

  1. Liebe Alex, ja, das ist eine wichtige Überlegung, die du da anstellst.

    Während unseres Jahres im Wohnmobil habe ich gemerkt, wie wenig Wohnraum ich wirklich brauche, wenn ich so viel Zeit des Tages draußen in der Natur verbringen kann. Allerdings wäre diese Lebensform für mich auch kein Dauerzustand und ich bin jetzt gerade auch echt wieder froh über eine richtige Küche, Wasser und Strom aus der Wand und den eigenen kleinen Nähplatz. Aber es stimmt, dies ist schon extremer Luxus im Vergleich zur restlichen Weltbevölkerung…

    Ich glaube ja, dass die perfekte Lösung für mich /uns aus stark reduziertem privaten Wohnraum in Kombination mit schönen Gemeinschaftsräumen liegt.
    Dann gibt es nämlich den einen Platz für die Waschmaschine(n) der Gemeinschaft, die eine Werkstatt für alle, das eine Zimmer, dass als Wohnzimmer /Versammlungsort dienen kann und wo mein Sohn sich bei Regenwetter mal in einer Ecke mit seinem Lego ausbreiten kann…

    Ich glaube, die Krux liegt wie so oft in dem extremen Individualismus und der Vereinzelung in unserer Gesellschaft. Daraus erwachsen so viele Probleme in Bezug auf den Pro-Kopf-Konsum, die in Gemeinschaft viel leichter zu verringern wären, ohne immer gleich das Gefühl des Verzichtenmüssens zu haben…

    VLG Jitka

    1. Alexandra Achenbach sagt: Antworten

      Hallo liebe Jitka,
      du hast total recht. Wenn wir unseren Drang zum Individualismus zurückschrauben würden, dann könnte man unfassbar viele Ressourcen sparen. Angefangen von geteiltem Werkzeug oder Haushaltsutensilien für ein ganzes Mietshaus oder eine Straße, bis hin zum Gemeinschaftswohnraum mit geteiltem Kühlraum, Waschmaschinen, Auto und Lastenrad. Da gibt es richtig viel Luft nach oben. Allerdings muss man dafür auch den Willen haben, sich auseinander zu setzen und zu diskutieren. Dafür haben viele heute weder Lust noch Energie.
      Ich bin überzeugt davon, dass wir viel nachhaltiger leben würden, wenn wir alle weniger Stunden arbeiten würden. Dann bliebe mehr Energie und Zeit fürs Organisieren, Teilen, Tauschen und Andersdenken. Und anstatt alles einfach schnell zu kaufen könnten wir wieder mehr selber machen. Im Moment ist das gesellschaftliche Utopie, aber wer weiß ;-)…

      Alles Liebe und sonnige Grüße
      Alex

  2. Ja, Alex, Utopie ist das wohl (noch). Aber Utopie ist ja irgendwie auch, dass jeder Mensch in unserem Land bis morgen vom Mainstreamerkonsumenten zum aktiven Weltretter avanciert. Und da bekanntlich viele Wege nach Rom führen, braucht es auf allen Ebenen die mutigen Pioniere, all die tapferen Vorreiter, die es wagen, neue Wege zu gehen und das unmögliche möglich machen wollen. 🙂
    Und gerade dieses intensive Auseinandersetzen mit dem Du (und damit automatisch mit dem Ich), mit dem Wohl der Gruppe/ Gemeinschaft, birgt für mich so ein enormes Potential für echte Veränderung von der Wurzel an.
    Mal sehen, ob wir in Zukunft immer mehr kleine und große Gemeinschaften unterschiedlichster Form sehen werden, die genau das versuchen: durch Synergien Lebenszeit zu gewinnen und der Erfüllung der wahren menschlichen Bedürfnisse anstelle der Ersatzbefriedigungen (Konsum) näher zu kommen. Spannend, dieses Leben!

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