Tattoofarben mit Plastik und Schwermetallen? So vermeidet ihr gefährliche Inhaltsstoffe bei Tattoos

Tattoofarben - Gesundheitsrisiken und Plastik bei Tattoos vermeiden

Ihr werdet euch vielleicht wundern, warum ich heute auf meinem Nachhaltigkeitsblog über Tattoofarben schreibe. Der Grund ist ziemlich einfach. Tatsächlich haben Tattoos sogar ziemlich viel mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun. Oder wusstet ihr, dass in vielen Tattoofarben Schwermetalle, Nanopartikel und sogar Plastik enthalten sind?

Nachhaltigkeit bedeutet auch einen verantwortungs- und selbstbewussten Umgang mit mir selbst.

Und damit ich überhaupt bewusst handeln und wählen kann, steht an erster Stelle eine fachliche Aufklärung. Wie ich selbst feststellen musste, ist die im Fall von Tattoos und Tattoofarben allerdings gar nicht so einfach, und das hat gleich mehrere Ursachen.

Obwohl in Deutschland etwas jeder Zehnte tätowiert ist (bei den 16- bis 26-Jährigen sogar fast jeder Vierte!) gibt es immer noch sehr wenige Langzeitstudien über die Gesundheitsrisiken von Tattoofarben im menschlichen Körper. Und so ein Risiko ist durchaus denkbar, denn die Farben und ihre Bestandteile werden vom Körper zum Teil abgebaut, durch den Körper transportiert und in Leber und Lymphknoten eingelagert. Klingt nicht so prickelnd, oder? Mir persönlich war zwar bewusst, dass Tattoos wahrscheinlich nicht unbedingt das gesündeste Hobby sind, aber dass dieser Jahrtausende alte Hautschmuck so wenig erforscht ist war doch überraschend für mich.

Lidschatten- und Lippenstiftfarben sind besser untersucht und reguliert als Tattoofarben, obwohl letztere IN der Haut landen und nicht nur darauf.

Für die Farbstoffe in der Kosmetikindustrie existieren eindeutige gesetzliche Rahmenbedingungen und es ist klar definiert, welche Inhaltsstoffe verwendet werden dürfen und welche nicht. Bei Tattoofarben ist das leider anders. Zwar gibt es seit 2009 eine Tätowiermittel-Verordnung mit einer Auflistung an Stoffen, die aufgrund von dokumentierten Gesundheitsrisiken verboten sind. Kritische und umstrittene Stoffe sind dagegen nicht reguliert, weil schlicht die Studien (noch) fehlen, die ein eindeutiges Gesundheitsrisiko nachgewiesen hätten. Schwierig, oder? Vor allem, wenn man weiß, dass in Tattoofarben zum Beispiel Farbpigmente verwendet werden, die eigentlich für den Einsatz in Druckerpatronen oder Autolacken entwickelt wurden und nicht für den unter unserer Haut. Und eine Positivliste von gesundheitlich unbedenklichen Inhaltsstoffen existiert für Tattoos erst gar nicht.

Bleibt also nur eines: Wir müssen uns selber schlau machen.

Tattoofarben: Gesundheitsrisiken von gefährlichen Inhaltsstoffen vermeiden

Grundsätzlich gilt für euer Tattoo*:

  • Je weniger Farbe, desto besser für euren Körper. Flächige Tattoos sind problematisch als Umrisse oder Schriftzüge
  • Rein schwarz ist in der Regel gesundheitlich unproblematischer als bunt
  • Traditionelle Tattoofarben mit tierischem Schellack sind unproblematischer als vegane Alternativen auf Acrylatbasis (=flüssige Kunststoffe!!)
  • Farben von deutschen Hersteller sind besser kontrolliert und unterliegen strengeren Standards

Und wie genau findet ihr nun heraus, welche Inhaltsstoffe in eurer Tattoofarbe sind, und wo die hergestellt wurde? Ganz einfach: Geht eurer TätowiererIn mit Nachfragen auf die Nerven. Professionelle Studios reagieren auch auf Nachfragen professionell und entspannt.

Bei der Wahl eures Studios sollte nicht nur der Stil des Künstlers an der Nadel entscheiden, sondern vor allem die verwendeten Tattoofarben.

Die bleiben nämlich ein Leben lang in eurem Körper, mit all ihren Inhaltsstoffen. Die wichtigsten Angaben zur weiteren Recherche sind der Herstellername, die Namen der Farben für euer Wunschtattoo, die Chargennummer und die Inhaltsangabe.

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#1 RAPEX

Mit diesen Informationen könnt ihr zunächst auf RAPEX, der Produktwarn- und Rückrufseite der EU, direkt nach allen aktuell gefährlichen Tattoofarben suchen (Suchbegriff: Tattoo). Hier ist nichts dabei? Prima. Dann geht es in die Feinarbeit.

#2 Codecheck

Die App Codecheck ist die perfekte Übersetzungshilfe für das Fachchinesisch auf Inhaltsangaben.

#3 Schwermetall-Datenblätter

Jeder seriöse Farbenhersteller lässt zu allen Farbchargen entsprechende Datenblätter für Händler und Studios erstellen. Hier könnt ihr auf einen Blick erkennen, ob gesetzlicher Grenzwerte bei Schwermetallen wie Nickel, Chrom, Blei oder Cobalt in eurer Tattoofarbe eingehalten oder überschritten wurden. Da staatliche Kontrollen nur stichprobenartig durchgeführt werden, könnt ihr allein dadurch schon gesundheitliche Risiken erheblich minimieren.

#4 Eigene Wunschfarben?

Und? Wie sieht die Bilanz eures Studios im Moment aus? Seid ihr zufrieden mit den Tattoofarben eures Tätowierers oder habt ihr noch Bedenken? Dann besorgt euch doch einfach eure Wunschfarben selbst (am besten direkt beim Hersteller oder bei einem vom Hersteller lizenzierten Shop mit nachvollziehbaren Handelswegen). Ja, ihr habt richtig gelesen. Es ist euer Körper und eure alleinige Entscheidung. Ihr allein müsst auch gesundheitliche Risiken und Schäden tragen. Tätowierer sind zwar wunderbare Künstler, aber für viele von ihnen ist bei der Auswahl ihrer Farbe vor allem entscheidend, dass das gestochene Tattoo farblich brillant und möglichst haltbar ist. Einige wissen nicht einmal, dass es Schwermetall-Datenblätter oder ein offizielles Produktrückrufportal gibt.

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Für mich selbst stand deshalb ziemlich schnell fest, dass ich mir meine eigenen Tattoofarben (Sailor Jerry und diabolo genesis von Deep Colours! GmbH) besorgen werde und dann nach einem Tattoo-Künstler suche, der mit meinen Wunschfarben sticht. Das war zugegebenermaßen nicht ganz einfach, denn die meisten Studios sind in puncto Fremdfarben leider nicht flexibel. Am Ende habe ich aber ein tolles Studio und eine engagierte und sehr talentierte Tätowiererin in München gefunden.

Also nur Mut ihr Lieben!

Traut euch nachzufragen und bewusst mitzuentscheiden.

Auch bei euren Tattoofarben!

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Tattoofarben- Gesundheitsgefahren durch gefährliche Inhaltsstoffe vermeiden

*Für alle, die es in puncto Tattoofarben noch genauer wissen wollen:

Tattoofarben bestehen prinzipiell aus Farbpigmenten, Bindemitteln und einer Trägerlösung mit eventuellen Konservierungsstoffen. Alle Inhaltsstoffe müssen auf der Inhaltsangabe deklariert sein.

Bei Konservierungsstoffen werden unter anderem Formaldehyd, Benzylisothiazolinon und Methylisothiazolinon als bedenklich eingestuft ( Benzylisothiazolinon ist Bestandteil von Eternal Ink Tattoofarben)

Tattoofarben auf Acrylat-Basis enthalten flüssige Kunststoffverbindungen (meist Ammonium Acrylates Copolymer)

Rein schwarze Pigmente: Gefahr einer Verunreinigung mit sogenannten PAKs (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe), die als krebserregend eingestuft werden

Bunte Farbpigmente: Gefahr einer Belastung durch Schwermetalle und/oder AZO-Farbstoffe

Deutsche Tattoofarben-Hersteller müssen ihre Farben beim BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) anmelden. Dies beinhaltet eine Zertifizierung durch einen Sachverständigen und Laboruntersuchung für die Erstellung sogenannter Schwermetall-Datenblätter. Für internationale Hersteller wie zum Beispiel Eternal Ink und Intenze Ink gilt das nicht!

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