Skifahren und Nachhaltigkeit – geht das zusammen?

Skifahren gestern. Und morgen?

Wohl kaum einer wird bestreiten, dass Skifahren ökologisch gesehen nicht die beste Freizeitbeschäftigung ist. Blechlawinen, Abgase, Staus, künstliche Beschneiungsanlagen und durch Pisten verunstaltete Landschaften kann man mit regionalen Äpfel in der plastikfreien Brotzeitbox leider eher nicht wieder wettmachen. Trotzdem: Kaum fällt der erste Schnee, schon bekomme ich Lust Skifahren zu gehen. Es ist wie ein Reflex und der wurde mir, als echtem Münchner Kindl, quasi schon in die Wiege gelegt. Dieses unbeschreibliche Gefühl oben an der Piste zu stehen und loszudüsen, über Schanzen zu springen und unbeschwert im Weiß dahin zu gleiten. Es gab Jahre, da verbrachte ich tatsächlich jedes einzelne Winterwochenende auf den Brettern.

Ich liebe es einfach Ski zu fahren!

Die letzten fünf Jahre war nun Kinder-bedingt vorerst Schluss mit dem Skifahren. Freiwillig so früh raus in die Kälte und das trotz dem ständigen Schlafmangel? Die Verlockung hielt sich in Grenzen. Erstaunlicherweise habe ich es während dieser Zeit aber nur mäßig vermisst. Es juckte manchmal, doch das Jucken ließ über die Jahre langsam nach. Diesen Winter ist das Jucken plötzlich wieder da und es ist stärker denn je.

Aber kann ich überhaupt noch guten Gewissens Skifahren gehen in Zeiten des Klimawandels?

Kann ich all die negativen Aspekte für unsere Natur und für die alpine Tier- und Pflanzenwelt einfach ausblenden, weil mir das Skifahren eben so viel Spaß macht? Tatsächlich fiel mir das früher leichter. Heute fühle ich diesen Widerspruch von Skizirkus und Nachhaltigkeit zu stark um ihn zu ignorieren. Vor allem aber fühle ich mich verantwortlich, denn mein Hobby hat ökologische Folgen. Auch für meine Kinder. Und was jetzt? Nie wieder Skifahren? Und sollen meine Kinder überhaupt noch Skifahren lernen, wenn unsere Winter demnächst grün statt weiß sind? Ist Skifahren vielleicht nicht mehr zeitgemäß in unseren Breiten? Was für traurige Gedanken.

Dieser Klimawandel ist wirklich ein ganz ekelhafter Spielverderber!

Eines ist jedoch klar: Nachhaltigkeit im Alltag hört eben nicht beim Ökogemüse und dem Fair-Trade T-Shirt auf. Wenn ich es ernst meine mit meinem grünen Lebensstil, dann muss ich meine Hobbys genauso kritisch hinterfragen wie meine Ernährung. Auch wenn es weh tut. Denn Veränderung kann immer nur bei mir selbst beginnen.

Mein Fazit:

  • Ganz und für immer auf das Skifahren zu verzichten, kann ich mir im Moment nur sehr schwer vorstellen. Ich denke mein persönlicher Weg wird „weniger ist mehr“ sein.
  • Skifahren gehe ich nur, wenn auch auf natürlichem Wege Schnee liegt.
  • Ich will in Zukunft gezielt Gebiete unterstützen, die auf Nachhaltigkeit setzen. Deshalb werde ich bei meinem (eher kleinen) Lieblingsskigebiet die ökologischen Eckdaten anfragen (Welche Energiequelle wird für die künstliche Beschneiung genutzt? Woher stammt das Wasser dafür? Was wird für mehr Nachhaltigkeit unternommen? Wie werden die Pisten im Sommer gepflegt? Etc.).
  • Wenn ich diesen Winter noch Skifahren gehe, dann nehme ich auf jeden Fall die Bahn.
  • In den Bergen Abfall zu vermeiden ist für mich ohnehin selbstverständlich.
  • Kinderskikurs ist erst mal vertagt. Bedenkzeit bis nächsten Winter. So lange wird einfach gerodelt!

Und? Was denkt ihr? Skifahren oder lieber nicht?

 


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4 Replies to “Skifahren und Nachhaltigkeit – geht das zusammen?”

  1. Hallo Alex! Oha – da geht es ans Eingemachte! Ich bin gespannt, wie Du Dich entscheiden wirst. Wie Du selbst schreibst, ist Skifahren nicht wirklich ein „grünes Hobby“. Als Kind und junge Erwachsene war ich mindestens zweimal im Jahr auf den Brettern. Bei mir hat es sich erledigt, weil mein Mann (Venezolaner) so gar nichts mit Wintersport am Hut hat. Ich selbst bin nun schon so lange nicht mehr gefahren, dass ich dieses Hobby total vergessen habe. Hier in Berlin sind die Berge dazu noch weit. Deshalb kann ich gut darauf verzichten. Was mich aber schmerzt – wir haben uns vorgenommen aus ökologischen Gründen nicht mehr zu fliegen, schluchz. Ich träume hier in der nassen Kälte von Palmenstränden. Deshalb kann ich gut nachvollziehen, wie schwer das mit dem Skifahren für dich ist. Ich weiß noch nicht, ob wir lange durchhalten. Manchmal denke ich (leider): „Ist doch eh alles für die Katz. Die ganze Welt jettet durch die Gegend (fährt Ski), dann kommt es auf mich ja nicht mehr an.“ Aber so will ich natürlich eigentlich nicht denken, deshalb versuche ich, durchzuhalten.
    LG Katrin

    1. Hallo Katrin,
      Ja, das ist wirklich nicht einfach. Ich will meinen Kindern ja auch nichts vorenthalten, was ich selbst so geliebt habe. Manchmal ist grün(er) leben wirklich schwierig… Und ja ich kann dich gut verstehen. Ich frage mich auch des Öfteren, warum ich auf der Straße jeden Plastikschnipsel aufhebe, wenn es gefühlt dem Rest der Welt Wurst ist :-(.
      Aber dann überrascht mich mein Großer und sagt aus heiterem Himmel zur Oma, sie soll doch lieber zu Fuß gehen als mit dem Auto fahren. Das ist nämlich schlecht für die Umwelt. Und dann weiß ich wieder, warum es sich lohnt. ALLES :-)!
      LG Alex

  2. Wenn ich im Flugzeug über verschneite Berge fliege, denke ich immer mal wieder: Mein Gott, ist das schön. Und um diese Erkenntnis zu haben, hilft mir das Kerosinwunder. Ökologie gibt es nie ohne Widerspruch, denke ich mir. Deshalb sage ich: Wenn Skifahren, dann ohne Gewissensbiss. Die Natur genießen. Den Berg respektieren. Die Grenzen feiern, die man bei heftigem kalten Wind und Schnee an einem nicht so sonnigen Skitag schnell erfahren kann. Die alten Ski lange behalten. Bahn fahren? Hmmmm

    1. Hallo Wolfi,
      dein Satz „Ökologie gibt es nie ohne Widerspruch“ ist auch aus meiner Erfahrung sehr wahr. Das macht es manchmal so schwierig, denn alles kann man irgendwie nie richtig machen. Aber vielleicht kann man ja versuchen es immer so richtig wie eben möglich zu machen? Ich denke dann bleibt viel Spielraum für persönliche Leidenschaften und Umweltbewusstsein. Wie du schon sagst. Vielleicht einfach die alten Ski behalten und öfter mal mit der Bahn fahren? Oder anfangen mehr Touren zu gehen?
      Nachdenken und bewusst machen ist auf jeden Fall nie verkehrt ;-)!
      Danke fürs mitdenken und liebe Grüße
      Alex

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