Milch von glücklichen Kühen? Unser Milchkonsum wirft einen großen Schatten

Die Milch macht's, aber sie wirft auch einen großen Schatten

Ich starte heute gleich mal mit einer Frage, die euch vielleicht ein bisschen seltsam vorkommen wird: Wo kommt denn jetzt eigentlich unsere Milch her? Die Milch, die mir als Milchschaum täglich meinen Kaffee versüßt? Die Milch für unseren Joghurt, unseren Quark, den leckeren Käse und für die Butter auf dem Brot? Is doch klar! Von einer glücklichen Kuh, oder? So verspricht es uns doch die Bauernhofidylle auf der Milchpackung. Aber stimmt dieses farbenfrohe Werbebild? Ihr ahnt die Antwort wahrscheinlich bereits. Vor allem all diejenigen von euch, die unsere letzte Frage der Nachhaltigkeit gelesen haben.

Ich bin ziemlich skeptisch, ob Kühe sich den Beruf „Milchkuh“ freiwillig aussuchen würden, hätten sie eine Wahl.

Da ist definitiv ein Schatten auf dem schönen Schein der Milchwirtschaft. Und den hatten meine Familie und ich eine Woche lang direkt vor der Nase. Wir waren nämlich auf einem kleinen Bauernhof im schönen Allgäu. Für sieben Tage durften wir ein Landleben auf Zeit genießen und für uns Stadtpflanzen war das ganz großartig. Freie Sicht, gute Luft, viel Natur und jede Menge Tiere um uns herum. Allerdings gab es eben auch eine Schattenseite, die mich seitdem nicht mehr loslässt. Klar weiß ich, wo unsere Lebensmittel herkommen.

Und dass Milch nicht auf Bäumen wächst, ist ja bereits jedem Kind klar.

Aber es ist doch ein himmelweiter Unterschied theoretisch über die Dinge Bescheid zu wissen als es live zu sehen. Und zu fühlen. Die Geburt eines kleinen Kälbchens miterleben zu dürfen und seine ersten Stunden. Die Mutterkühe gehen so liebevoll und zärtlich mit ihren Babys um. Sie kommunizieren die ganze Zeit miteinander und beschnuppern und belecken sich. Irgendwie hab ich mich selbst gesehen in diesem großen anmutigen Tier. Ich hab mich an die Geburt meiner beiden Kinder erinnert und an den Zauber der ersten Wochen. Nur wenige Stunden später stehen die Mütter wieder allein im Stall und ihre Kälber in einer kleinen Box aus Plastik.

Ist schon eine komische Sache. Diese Milchwirtschaft.

Die Mutterkühe sind dauerträchtig, Mutter und Kalb werden nach wenigen Stunden getrennt und danach bekommen die Kälbchen künstliche Pulvermilch, während wir Menschen die Milch der Mutterkühe bekommen.

Milch- Mutterkuh leckt KälbchenMilch- Kuh und Kalb direkt nach der GeburtMilch-Kälbchen in AufzuchtsboxMilch-Werbbild auf der Packung

Wollen wir Verbraucher das wirklich? Versteht mich bitte nicht falsch. Die Familie auf deren Bauernhof wir Gast sein durften war ganz wundervoll und sehr fürsorglich. Nicht nur mit uns, sondern auch mit ihren Tieren. Und auch der kleine Hof ist sehr nahe am Ideal und weit entfernt von Massentierhaltung. Es geht mir um das Gesamtsystem. Um das System Milchwirtschaft. Muss das wirklich alles genau so sein?

Will ICH das?

Seit unserem Urlaub hadere ich auf jeden Fall mit unserem Konsum an Milch und Milchprodukten. Und wir als Familie reduzieren. Und zwar gewaltig! Es reicht mir nicht mehr aus nur Bio in der Glasflasche zu kaufen, denn wir konsumieren einfach viel zu viel Milch. Jeden Tag und oftmals zu jeder Mahlzeit. Die Butter auf dem Frühstücksbrot, der Käse auf der Pizza und die Sahne im Kuchen.

Bewusster und achtsamer Konsum eines kostbaren Lebensmittels sieht irgendwie anders aus, oder?

Und genau deshalb ist es gut, wichtig und sogar notwendig unsere „Nutz“Tiere live in ihrem Alltag zu sehen und die Erzeuger unserer Lebensmittel kennenzulernen und mit ihnen zu sprechen. Nur so begreift man durch und durch wie wertvoll unsere Milch ist und dass sie einen hohen Preis hat. Einen Preis den leider zum überwiegenden Teil die Tiere bezahlen müssen. Und nur so kann man wirklich eine aufgeklärte Kaufentscheidung treffen.

Wie geht es euch damit? Trinkt ihr (noch) Milch und esst Milchprodukte?

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Tipps zum Weiterlesen:
  • Hier findet ihr was Rachel Suhre von MamaDenkt zu diesem Thema meint
  • Und hier gibt’s Infos zu einem spannenden neuen Dokumentarfilm „System Milch“
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4 Replies to “Milch von glücklichen Kühen? Unser Milchkonsum wirft einen großen Schatten”

  1. Ich frage mich nun aber: Wie machst du das denn jetzt weiter? Auf Milch verzichten? Zu Ersatzprodukten greifen?

    1. Hallo meine Liebe,
      du hast total recht. Für einen Tipp-Artikel bin ich allerdings leider noch nicht weit genug ;-).
      Das Einzige was für mich absolut sicher ist, ist dass wir Milch und Milchprodukte im ersten Schritt drastisch reduzieren werden. Außerdem bleiben wir natürlich bei Demeter-Produkten, denn das ist für mich einfach der höchst mögliche Standard den ich als Verbraucher kriegen kann.
      Bei Ersatzprodukten bin ich ehrlich gesagt noch unschlüssig. Am Besten finde ich da noch regionale Bio-Hafermilch. Am liebsten ohne Tetrapak. Wir haben auch schon versucht die selber zu machen, aber das Ergebnis war bisher noch solala.
      Viele andere Ersatzprodukte sehe ich eher skeptisch. Alle kommen im Tetrapak, oft von weit weg und alle sind industriell stark verarbeitet, was jede Menge Energie kostet. Hhhhmmmm. So richtig toll finde ich das auch nicht. Du siehst. Ich denke noch und hänge irgendwo dazwischen ;-)!
      Aber immerhin denke ich! Und wir werden einen Weg finden. Wenn es soweit ist, dann gibt’s mein Fazit auf jeden Fall hier :-)…
      Wie siehst du denn die Sache mit der Milch?
      Liebe Grüße
      Alex

  2. Hihi, an diesem Punkt war ich auch irgendwann mal. Finde es spannend, dass das bei dir durch einen Bauernhofbesuch ausgelöst wurde. Vielleicht gefällt dir an dieser Stelle ein Buch, das mich damals sehr geprägt hat: Maria Rollingers „Milch besser nicht“.

    Liebe Grüße

    Sandra

    1. Hallo liebe Sandra,
      danke dir für den Tipp ;-)!
      Alles Liebe
      Alex

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