Nase zu und durch – Mein Plädoyer für den Biomüll

Der Biomüll und ich haben eine schwierige Beziehung.

Man könnte auch sagen unsere Beziehung ist zerrüttet, denn um ganz ehrlich zu sein, kann ich Biomüll nicht leiden. Ich finde es äußerst unappetitlich matschige Gemüse- und Obstabfälle in meiner Küche zu sammeln.

Sobald das Wetter nur etwas wärmer wird, finden Horden kleiner Fruchtfliegen in den Schalen und Kerngehäusen ein neues Zuhause. Um diese fliegende Invasion zu verhindern, müsste man mindestens einmal täglich den Fliegenfestschmaus in der hauseigenen Tonne entsorgen. Leider bin ich, was unsere Müllentsorgung betrifft, nur sehr selten so übereifrig.

Biomüll ist eklig und Biomüll stinkt! Und er entwickelt schnell „neues“ Leben.

Deshalb habe ich vor Jahren beschlossen den Biomüll in meinem Haushalt abzuschaffen. Selbst in unserem Familienhaushalt blieb diese Regel bestehen. Daran konnte auch die braune Biotonne im Müllraum unseres Mietshauses nichts ändern. Aber war das wirklich eine sinnvolle und vernünftige Entscheidung?

Ich glaube unser Biomüll verdient eine zweite Chance.

Warum? Tatsächlich macht es einfach Sinn organische Abfälle zu trennen und extra zu sammeln. Wenn meine Familie es also ernst damit meint, dass unser Haushalt nachhaltiger und grüner werden soll, dann führt kein Weg am Biomüll vorbei! Es ist Zeit für ein Umdenken meiner bislang eher dürftigen Mülltrennung.

Die Umstellung wird mir durch zwei Dinge erleichtert: Es ist Herbst. Kühleres Wetter bedeutet weniger Geruch und (fast) keine Fliegen. Ein wirklich sanfter Einstieg. Und zum Zweiten gibt es gute und sehr motivierende Gründe.

Biomüll ist wertvoll.

Separat gesammelt ist biologischer Abfall ein hochenergetischer Rohstoff zur Erzeugung ökologischer Energie und zur Gewinnung von Kompost und Erde. Irgendwie wusste ich das schon, aber richtig bewusst war es mir trotzdem nicht. Und anscheinend geht es nicht nur mir so. In Deutschland werden Tonnen an Biomüll im Restmüll verschwendet. Dabei macht Deutschland uns das Sortieren unseres Mülls eigentlich sehr leicht. Seit Anfang 2015 ist die braune Biotonne überall im Land Pflicht. Trotzdem nutzen wir die Tonnen immer noch zu wenig und biologisch abbaubare Abfälle landen gedankenlos im Restmüll. Wie bei uns. Doch damit ist in unserem Haushalt jetzt Schluss!

Es ist Zeit für ein Plädoyer für den Biomüll!

Per Definition ist Biomüll alles, was biologisch durch Bodenlebewesen, Mikroorganismen und Enzyme abgebaut werden kann. Das ist eine ganze Menge. In die Biotonne gehören Küchenabfälle, wie Obst- und Gemüseschalen, Essensreste und Gartenabfälle. Wickelt man diese Abfälle in Zeitungspapier, dann wird die überschüssigen Feuchtigkeit aufgesaugt und die Geruchsbildung vermindert.

Der unschlagbare Vorteil dieses Mülls ist seine unproblematische Entsorgung. Mit einfachsten Mitteln entstehen wertvolle Erde und Kompost. Letzterer reichert unsere Ackerböden mit neuen Nährstoffen an und verbessert so die Bodenqualität. Das verringert den Einsatz an Kunstdüngern und ökologisch bedenklichem Torf erheblich. Organische Abfälle können also als Kompost auf dem Feld neue Pflanzen düngen und ihnen beim Wachsen helfen. Der Stoffkreislauf wird auf natürliche Weise geschlossen.

Zudem werden biologische Abfälle zur Biogaserzeugung genutzt. Allein in München wird der jährliche Energiebedarf tausender Haushalte so bereits zu 100 Prozent durch Biomüll gedeckt. Ist das nicht fantastisch? Energie aus Kartoffelschalen, Essensresten und Co.! Ganz ohne fossile Brennstoffe oder Atomenergie!

Je mehr getrennt gesammelter Biomüll, desto mehr nachhaltig und ökologisch erzeugte Energie.

Je mehr getrennt gesammelter Biomüll, desto natürlicher sind die Stoffkreisläufe.

Diese einfache Gleichung hat auch mich Biomüllverweigerer restlos überzeugt! Wir sammeln unsere biologischen Abfälle jetzt konsequent und ich gebe mir Mühe sie jeden Tag zu entsorgen. Nase zu und durch! Der Umwelt zu Liebe.

biomuell-mein-neuer-freund

Zum Sammeln benutzen wir alte Bäckertüten oder Zeitungspapier. Kompostierbare Biomülltüten hingegen sollte man vermeiden. Aufgrund der langen Zeit bis sie vollständig abgebaut sind, verbannen viele Entsorger die Bioplastiktüten bereits aus ihren braunen Tonnen. Bioplastik hält nur mit Einschränkungen was es verspricht.

Übrigens macht die Biotonne selbst für Kompost-Besitzer Sinn. Ein eigener Komposthaufen kann die Biotonne ergänzen, aber nicht ersetzen. Vieles ist auf dem Komposthaufen im Garten nämlich fehl am Platz. Dazu gehört zum Beispiel Gekochtes und alles tierischer Herkunft. Im Restmüll entsorgt wären diese besonders energiehaltigen Abfälle jedoch die reinste Rohstoffverschwendung. Also besser Kompost und braune Tonne.

Langsam aber sicher werden der Biomüll und ich noch richtig gute Freunde.

Und wie sieht’s bei Euch aus?

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2 Replies to “Nase zu und durch – Mein Plädoyer für den Biomüll”

  1. Hi Alex,
    schön, dass du dich zu einem Biomüll durchringen konntest…Bin grad zufällig auf deinen Blog gestoßen.
    Schau mal hier
    http://blog.lecker-leben.com/?p=4450
    Habe auf meinem Blog ein schönes Buch zum Thema Kompost vorgestellt – vielleicht so als Vorsatz zum Start in die neue Gartensaison 😉
    Gruß,
    Lavinia

    1. Hallo Lavinia,
      schön, dass du livelifegreen gefunden hast ;-)!
      Und vielen Dank für den Link. Werd mir das Buch ganz sicher mal genauer anschauen.
      Ganz liebe Grüße
      Alex

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